SängerKollektiv begeistert rund 80 Zuschauer — nach dreieinhalb Stunden tobender Beifall


KAROXBOSTEL. Chilenische Folklore, amerikanischer Country, britischer Soul und Indiepop aus Ashausen: Das SängerKollektiv hat am Samstagabend an der Wassermühle Karoxbostel einen musikalischen Bogen geschlagen, der weit über die Region hinausreichte. Rund 80 Besucherinnen und Besucher verabschiedeten die Musikerinnen und Musiker nach über dreieinhalb Stunden und 21 Titeln mit tobendem Beifall.
Für das SängerKollektiv war es das Comeback. Die Buchholzer Musikerin Nora Sänger hatte das Format zwischen 2019 und 2023 etabliert und danach eine kreative Pause eingelegt, um eigene Projekte voranzutreiben — darunter ihre Blues-Country-EP „Trail“ und zwei musikbegleitete Bücher. Das Konzept ist geblieben: Profis treffen auf Hobbymusiker, etablierte Namen auf Newcomer, und alle Beteiligten sind ausdrücklich eingeladen, sich in die Stücke der jeweils anderen einzumischen.

Musik aus drei Kontinenten

Den weitesten Weg hatte das Repertoire von Latidos del tiempo hinter sich. Die drei studierten Musiker aus Buchholz in der Nordheide spielen Lieder aus ihrer chilenischen Heimat — einer von ihnen war an diesem Abend spontan dazugestoßen, was zum Geist des Formats kaum besser hätte passen können. Die Freude an der Gelegenheit, ihr Können vor Publikum zu zeigen, war der Gruppe in jeder Nummer anzumerken. Mick J. Pash steuerte Country und Rock aus den USA bei, an der Westerngitarre unter anderem „Jailhouse Rock“, „Jackson“ von Johnny Cash und June Carter sowie einen eigenen Song. Das SängerKollektiv selbst ergänzte internationalen Pop, Soul, Folk und Latin.
Dazu kamen zwei weitere Gastformationen mit eigenen Sets: Jodder & der Yeti mit dem Seevetaler Julian Rasmussen brachten Akustik-Rock auf die Bühne, Honeymoon in June aus Ashausen Folk und Indiepop.

Ehemalige Schülerinnen, langjährige Weggefährten

Den Kern des Abends bildete die SängerKollektiv-Hausband um Nora Sänger. Mit dabei waren die Soulsängerinnen Malin Ruschmeyer und Anna Tiburg — beide ehemalige Gesangsschülerinnen von Nora Sänger und schon bei den ersten Auftritten des Kollektivs dabei. Das gilt ebenso für Benedikt Fleischer, der an diesem Abend doppelt gefordert war: als Teil von Honeymoon in June und als Sänger im Hauptprogramm. Für die instrumentale Grundlage sorgten Eike Ernst, Michael Muth und Karsten Deutschmann, für den Sound Christian Schmidt vom Eventteam Schmidt, der die wechselnden Besetzungen den ganzen Abend über sauber austarierte. Als Singer-Songwriter mit eigenem Material traten Nora Sänger und Mick J. Pash auf.
Die eigentlichen Höhepunkte des Abends waren jedoch die Momente, in denen die Grenzen zwischen den Formationen fielen. Bei „Zombie“ von den Cranberries standen Latidos del Tiempo und Jodder & der Yeti gemeinsam mit Nora Sänger und der Hausband auf der Bühne, bei „Proud Mary“ gesellte sich Mick J. Pash dazu. Zum Finale öffnete das Kollektiv „Sex on Fire“ von Kings of Leon für alle, die mitmachen wollten — und wiederholte das Prinzip in der Zugabe mit „No Roots“ von Alice Merton.
„Die Begeisterung der Zuschauer hat wieder gezeigt, dass dieses Format sehr gut — gerade an dieser Lokation — ankommt. Wir planen auch im nächsten Jahr eine Fortsetzung dieser Reihe“, sagt Matthias Clausen, Vorsitzender der Kulturstiftung Seevetal.

Vierter Auftritt an der Mühle — diesmal in der Tenne

Für das SängerKollektiv war die Wassermühle Karoxbostel bereits zum vierten Mal Spielstätte. Veranstalter ist die Kulturstiftung Seevetal, unterstützt vom Verein der Wassermühle Karoxbostel und der Gemeinde Seevetal. Anders als in den Vorjahren, in denen das Publikum unter freiem Himmel saß, wich man wegen der unsicheren Wetterlage diesmal in die Tenne aus.
Das hatte einen unerwarteten Nebeneffekt: Dort hingen bereits Teile der Werkschau der Malerin Tetiana Kolchenko, sodass die Besucher schon einen Vorgeschmack auf die Ausstellung bekamen. Vollständig zu sehen sind die Arbeiten ab der Vernissage am Freitag, 11. September.
Einen festen Eintrittspreis gab es nicht. Die Kulturstiftung Seevetal bat um eine Spende zur Unterstützung des SängerKollektivs und ihrer weiteren Projekte.

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